Gedichte eines Flugpioniers in Kriegsgefangenschaft sind wie …
Propeller im Leerlauf – voller Erinnerung an Bewegung, aber festgehalten von Stacheldraht.
Briefe an den Himmel, geschrieben aus einer Welt ohne Horizont.
Rauchspuren vergangener Freiheit über einem eingezäunten Lager.
Das Echo eines Motors in der Stille der Gefangenschaft.
Karten eines inneren Fluges, wenn der äußere unmöglich geworden ist.
Zerbrechliche Tragflächen aus Worten gegen das Gewicht der Niederlage.
Sternnavigation für eine Seele ohne Kompass.
Der Versuch, mit Sprache weiterzufliegen, wenn der Körper festgesetzt ist.
Wolkenbücher über Hoffnung, Schuld, Heimat und Zeit.
Ein Cockpit aus Erinnerungen, in dem der Pilot noch einmal startet.
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Ruinen die Kulissen
Der Flieger schrieb:
Die Augen verschließe nicht vor dem Leid,
dem Unglück der Welt –
Täglich neuen Einzug hält
die Not im grauen Kleid
in dunkle Kellerverließe.
Dort wo kein Stein mehr
auf dem anderen steht
ist der Frohsinn fortgegangen
sind die Tage voller Bangen.
Kinderlachen längst verweht –
Straßen – Plätze – ohne Leben leer.
Sind auch in kommenden Tagen
Ruinen die Kulissen,
wir werden das Leben ertragen müssen –
wir dürfen nicht verzagen.
Frühlingsduft
Der Flieger schrieb:
Im Osten heller Schein –
der neue Tag!
Vom Ackerrain,
der noch im Dunkeln lag,
einer Lerche Sang
als frühes Gebet
in den Himmel klang.
Es atmet und bebt
leise die Luft
Frühlingsduft.-
Der Zug des Herzens
ist des Schicksals Stimme.
Die Tiefe des Gefühls
ist die Seligkeit.
Ausser dir nur, was in dir!
Schwarze Nächte
Der Flieger schrieb:
Fantasien erglühen
grüne Träume, Geistermächte
alter Weisen
leichter Flügel
und des Lebens
bunter Spiegel
neues Glück verheißen
und im Träume neu erstehn
soweit wie der Himmel reicht
Bilder hell und leicht
die im Morgenwind verwehn
Das Sichelboot
Der Flieger schrieb:
Auf sanften Wellen
schmal ins Abendrot
schwimmt der Mond
das Sichelboot.
den zärtlich eine Wolke säumt
die purpurrot
vor dem Silberbug verbindet
meinem Mondboot meiner Sehnsucht
Träume als Ballast
nimmer mit der aller Stunden Hast
an deiner Götterbarke
sanftem Bord
setze deine Wolkensegel
führe sie mit dir fort,
schwing in die goldene Sternenwelt
dich weit hinaus,
nimm auch mein Herz mit
hin zum stillen Haus
wo fern im Meer,
im Dunkel dieser Nacht
das Hafenfeuer meiner Liebe wacht