Dipl.Kfm. Jörg Becker Friedrichsdorf
Dipl.Kfm. Jörg Becker Friedrichsdorf

Zeittunnel in die Vergangenheit, J. Becker - Nicht allein intellektuell kann man die Welt begreifen

„Für den digitalen Alltag sieht es so aus, dass wir den Äther mit einer ungeheuren Fülle an oft überflüssigen Daten verschmutzen, von denen wir häufig und berechtigt hoffen, dass sie in den Communities ein Echo finden, das den Multiplikator ins Hunderttausendfache spielt“. Ungezählte machen damit Geld, abzuhorchen, auszuspähen, abzufangen oder aufzupassen. Die Privatsphäre schafft sich laufend weiter selbst ab. Indem sie sich allen nur erdenklichen Plattformen blind anvertraut. Meistens unbewusst, indem man einfach vergisst und verdrängt, was etwa dieser oder jener Datenabsauger eigentlich nicht wissen sollte. Über die Welt wurde ein fein gewobenes Netz geworfen, aus dem fast alles herausgefischt werden kann, was auf der Welt passiert. Kaum einer fragt sich, wie oft oder wie dicht er an und in diesen Netzen hängt, die nun die Welt und alles Drumherum bedeuten. Die Auflösung der Privatsphäre nimmt auch dort zu, wo wir es lange weder wissen noch sehen. Das Vielfachleben schleust multiplizierte Identitäten durch alle möglichen Kanäle, immer mehr Menschen denken nur noch in Hauptsätzen (kurz, bündig). Der Zeit entrissenes Leben – innere Freiheit und grenzenloser Gedankenraum: in seinen Briefen, Gedichten, Aufsätzen, von denen er die meisten während seiner Gefangenschaft schrieb, hat der ehemalige Flieger die Welt gesehen, in der wir alle lebten. Und er hat sie besser dargestellt als viele andere. Und letzten Endes hat er sich nicht gefügt in das, was war, hat übliche Beschränkungen und Plausibilitäten nicht akzeptiert, vermutlich nicht einmal geahnt. Seine Unerfahrenheit als Schriftsteller, denn das war er wohl, war die, dass man unablässig gegen die geistigen, emotionalen und sprachlichen Beschränkungen aufbegehrt und versucht, mehr zu sagen, um auf diese Weise zu tieferem Denken anzuregen. Dabei waren die Wörter, die ihm zur Verfügung standen, die Gedanken, denen er Ausdruck gab, weit gesteckt. So erwecken die von ihm aufgeschriebenen Zeilen und Texte den Eindruck der Freiheit und des unbesiegbaren Wunsches nach Leben.