Di
13
Dez
2011
Unternehmenswert und Transparenz
Der Marktwert eines Unternehmens soll sich, sofern dieses denn dort notiert ist, an der Börse widerspiegeln. Von den Marktteilnehmern wird an ein mehr oder weniger transparentes Preisfeststellungsverfahren und an einen mehr oder weniger fairen Marktpreis geglaubt. Dieses sind Voraussetzungen dafür, damit sich weder Käufer noch Verkäufer bei der Entrichtung des Aktienpreises nicht über den Tisch gezogen fühlen. Mit der Aktie und deren Preis wird also immer zeitnah auch das Unternehmen als Ganzes bewertet. Ein genau bis auf die Nachkommastellen bemessener Euro-Wert vermittelt den Eindruck nicht nur mathematischer Genauigkeit sondern auch wirtschaftlicher Rationalität. Was aber ist von einer derartigen mathematischen Genauigkeit und wirtschaftlichen Rationalität zu halten, wenn diese in einem Jahr den Wert von 100 Euro/Anteil anzeigt und im nächsten Jahr vielleicht auf unter einen Euro/Anteil in den Bereich mehr oder weniger wertloser Cent-Papiere abfällt ? Krise hin oder her: was hat sich im Bereich des bewerteten Unternehmens geändert, das solche immensen, nach wie vor kaum fassbaren Bewertungsunterschiede begründen könnte ? Es sind die gleichen Gebäude, Maschinen und sonstigen Vermögenswerte, mit denen das bewertete Unternehmen seine Produkte und Dienstleistungen herstellt. Es sind die gleichen Menschen, die am gleichen Ort ihre Arbeit verrichten. Es sind die gleichen Geschäftsprozesse, die dies alles geschehen lassen. Wo findet sich das Controlling in diesen erdrutschartigen Bewertungsverwerfungen ? Wo waren und sind die hoch bezahlten Wirtschaftsprüfer als Hüter des Glaubens, dass alles rational und nicht zuletzt auf den Punkt genau nach Form und Vorschrift abläuft ?
Dipl.Kfm. Jörg Becker (DJV)
Publikationen, Analysen, Checks
Kommentar schreiben
Kommentare: 0